Kommt dir das bekannt vor? Du schwankst seit Tagen, ja Wochen, zwischen zwei oder drei Möglichkeiten. Für die eine sprechen Argumente, für die andere auch. Du hast eine Liste geschrieben, deine Freunde um ihre Meinung gebeten, und stehst trotzdem noch genau da, wo du angefangen hast. Dabei geht dir die Frage nicht aus dem Kopf: Was ist nur los mit mir, dass ich mich nicht entscheiden kann?
Eigentlich nichts. Hinter Entscheidungsunfähigkeit steckt fast immer ein Grund, und selten ist es ein Charakterfehler. Es lohnt sich, ihn zu finden, denn was hilft, hängt vom Grund ab.
Warum kann ich mich nicht entscheiden?
Es gibt zu viele gute Möglichkeiten. Wenn beide Wege (oder mehrere) reizvoll sind, gibt es keine eindeutig „falsche" Antwort, die dich erleichtern würde. Dann hilft auch die Pro-und-Contra-Liste nicht, weil beide Seiten gleich lang sind. (Darum geht es auch in unserem Beitrag Wenn die Entscheidungsliste nicht hilft – Bäcker oder Astronaut werden?.)
Du hast Angst vor der falschen Entscheidung. Viele suchen die perfekte Entscheidung, die „ewige", unveränderliche, die über den Rest des Lebens bestimmt. Wenn du genau diese perfekte Entscheidung treffen willst, erzeugt jedes Argument Angst. Dabei gibt es fast immer auch nach einer Entscheidung noch Spielraum. Du fürchtest nur, was es kosten könnte, wenn du falsch liegst.
Du hörst nicht auf deine eigene Stimme. Die Erwartungen anderer sind im Raum, das „Was werden die Leute sagen", das „Was sollte ich tun". Solange diese lauter sind, wird dein eigener Wunsch leise, und du weißt selbst nicht mehr, was du eigentlich willst.
Du bist müde. Die vielen kleinen und großen Entscheidungen zehren an dir. Abends, müde und gestresst, entstehen selten gute Entscheidungen zu wichtigen Themen.
Was tun, wenn ich mich nicht entscheiden kann? Fünf Schritte
1. Schätze ein, wie viel auf dem Spiel steht und was der nächste Schritt wäre, falls du doch falsch entscheidest. Frag dich: Wenn ich falsch entscheide, was kann ich danach tun? Meist bleiben dir mehr Möglichkeiten, als du denkst. Es gibt keine perfekte Entscheidung, nur eine, zu der du stehst und die du unterwegs noch anpassen kannst.
2. Gib dir einen Zeitrahmen, der dich nicht einengt. Du musst dich nicht heute Abend entscheiden, aber ein lockerer Anhaltspunkt hilft, zum Beispiel „bis Ende der Woche will ich klarer sehen". Die Frist ist hier kein Druck, sondern hilft, die Schleife zu schließen. Wenn bis dahin keine Entscheidung fällt, ist das auch eine Information: Vermutlich fehlt noch etwas.
3. Frag dich: Was ist das Schlimmste, und könnte ich es aushalten? Schreib für beide Wege das schlimmste Szenario auf und was du tun würdest, wenn es einträte. Oft zeigt sich, dass beide auszuhalten sind, und schon das mindert die Angst.
4. Frag dich, was du im Geheimen wählen würdest. Was würdest du wählen, wenn niemand je erfahren würde, wofür du dich entschieden hast? Sprich laut aus oder schreib auf, warum du eines der beiden willst. Achte darauf, was du dabei fühlst: Erleichterung, oder zieht sich dein Magen zusammen? Der Körper kennt die Antwort oft früher, als wenn du dich im Kopf entscheiden willst. Das ist keine Magie, nur ein Signal: Nimm es ernst, aber lass es nicht dein einziges Kriterium sein.
5. Stell andere Fragen. Listen und Rat einholen sind gute Werkzeuge, doch wenn die Argumente dich nicht mehr weiterbringen, kann ein neuer Blickwinkel sie ergänzen. Du brauchst nicht mehr Argumente, sondern andere Fragen. Zum Beispiel:
- Ist jetzt der richtige Zeitpunkt, diesen Schritt zu gehen?
- Welche Information würde mir die Entscheidung erleichtern?
- Mit wem und worüber sollte ich in dieser Situation sprechen?
Je bereitwilliger du Fragen an dich selbst stellst, und bei Bedarf auch an andere, desto klarer wird das Bild davon, was du willst und wohin du weitergehen möchtest.
Das I Ging baut auf Fragen
Das I Ging (I Ching) ist ein mehrere tausend Jahre altes chinesisches Buch, und auch seine Anwendung beruht auf dem Stellen von Fragen. Zuerst stellst du eine Frage, dann folgt das Ziehen, und das Ergebnis ist meist keine konkrete Antwort, sondern eine Orientierung. Es sagt nicht die Zukunft voraus, und es sagt dir nicht, was du tun sollst. Du erhältst ein Hexagramm aus sechs Linien, das den gegenwärtigen Moment beschreibt und Blickwinkel zeigt, die du allein vielleicht nicht bemerkt hättest.
Wenn zum Beispiel das Hexagramm 5, Das Warten, erscheint, heißt das nicht „tu nichts": Manchmal ist die Lage noch nicht reif für das Handeln, und dann ist auch das Üben von Geduld ein Handeln. In einer Entscheidungsblockade kann das befreiend sein, denn vielleicht fehlt nicht die Entscheidung, sondern es ist noch nicht an der Zeit, oder du brauchst mehr Information. An deine erste Frage knüpfen sich dann neue: Worauf warte ich genau? Was reift noch?
Das Ziehen ist zufällig, und die Deutung gehört dir. HexaInsight zieht ein Hexagramm auf traditionelle Weise, und die KI hilft dann, genau dieses Hexagramm im Bezug auf deine Frage zu deuten. Das Ziel ist nicht, dass du eine feste Antwort bekommst, sondern dass du etwas siehst, was du bisher nicht gesehen hast.
Es gibt noch eine sehr interessante Möglichkeit, das I Ging in einer Entscheidungssituation zu nutzen. Die meisten stellen dann eine Entweder-oder-Frage, zum Beispiel: „Soll ich den neuen Job annehmen oder bei meinem alten bleiben?" Das ist nicht der beste Ansatz, denn wie oben geschrieben, sagt das I Ging dir nicht, was du tun sollst. (Wir haben es im Bäcker-Beitrag früher selbst so gefragt, aber inzwischen eine bessere Methode kennengelernt.)
Viel hilfreicher ist es stattdessen, für jede Option separat ein Hexagramm zu ziehen. Im Beispiel könnten das diese zwei Fragen sein:
- „Welche Folgen hätte es, wenn ich das neue Jobangebot annehme?"
- „Welche Möglichkeiten habe ich, wenn ich in meinem jetzigen Job bleibe?"
Schau dir die beiden Deutungen nebeneinander an. Bei welcher spürst du Erleichterung oder Begeisterung, bei welcher Anspannung? Welche Fragen tauchen wieder auf? Es geht nicht darum, dass das „bessere" Hexagramm gewinnt, sondern dass du am Unterschied zwischen den beiden Bildern erkennst, was du willst.
Wann solltest du dir Hilfe holen?
Wenn dich die Entscheidungsunfähigkeit seit Wochen belastet und Schlaf, Arbeit oder Beziehungen betrifft, sprich mit jemandem: mit einer Freundin, einem Coach oder einer Psychologin. Hinter dem Aufschieben stecken manchmal Angst oder Erschöpfung, und das löst weder ein Artikel noch ein Hexagramm.
